Begonnen hat alles am 28.12.1997 – mit dem Release des Backoffice Small Business Server 4.0.
Die Idee hinter diesem Produkt war eine simple: Gebt Kleinkunden ein Werkzeug in die Hand, mit denen diese ihre IT einfach und günstig betreiben können und trotzdem die volle Power unserer Backoffice Applikationen haben. Auf einem Server, mit einer Lizenz, optimiert für Kunden bis 50 (75) User.
Wer sich noch erinnern kann, die erste Version ging sogar noch einen Schritt weiter – eine der Ideen vom SBS 4.0 war, dem User auch die Installation selber gestalten zu lassen – ein Umstand, der in den Partnerschulungen, die ich damals halten durfte, massiv Beschwerden hervorgerufen hat, weil das Setup des SBS die Festplatte des Servers ungefragt formatiert hat 
Die darauffolgenden Versionen des SBS sind dem Grundprinzip treu geblieben, allerdings war das Setup und die Wartung des Servers ab SBS 4.5 ganz klar eine Partnersache.
SBS war und ist bei vielen Technikern nicht ganz unumstritten – die Tatsache, dass die Installation und ein Großteil der Konfiguration automatisiert und standardisiert abläuft, war für die “gstandenen” AD/Exchange Experten immer ein Dorn im Auge und viele Partner nutzten die integrierten Assistenten (die meiner Meinung nach den eigentlichen Mehrwert der Lösung ausgemacht haben) nicht.
Mit der Version SBS 2011 – die am 9.3. 2011 released wurde – ist der SBS aber bei Kunden bis 50 Usern mittlerweile – nicht nur in Österreich – Standard und nahezu alle Partner, die diese Kundengröße betreuen, setzen dieses Produkt ein.
Warum stellen wir dann dieses Produkt ein ? Warum gibt es keinen SBS vNext mehr ?
Als SBS Fan der ersten Stunde habe ich mich die letzten Wochen sehr intensiv mit dieser Frage beschäftigt – wohl wissend, das der eine oder andere Partner sie mir stellen wird.
Ich möchte hier – unabhängig von offiziellen Aussagen – meine eigenen Gedanken dazu präsentieren:
- “Cloud Awareness” von Kleinkunden
Wir sehen gerade im Kleinkundenbereich (1-50) in Österreich einen sehr starken Move in die Cloud – besonders beim Exchangeserver. Gerade diese Kunden sehen keinen echten Sinn mehr darin, eigene Mailserver zu betreiben und verstehen die Benefits einer gehosteten Lösung – Verfügbarkeit, Performance, Speicher und letztendlich Kosten. Auf den letzten beiden Partner-Roadshows haben mir wirklich viele Partner von Kunden erzählt, die sie auf Exchange-Online migriert haben. D.h. gehostete Maillösungen werden in den nächsten Jahren in dieser Kundengruppe eher die Regel als die Ausnahme werden.
- Releasezyklen von SBS, Windows Server und Exchange
Ein ewiger Quell der Unzufriedenheit – besonders auf Partnerroadshows
- waren die unterschiedlichen Releasezyklen von SBS und den darunterliegenden Produkten.
Im Schnitt ist der SBS fast 1,5 Jahre nach dem Release des Windows Servers released worden – ein SBS vNext wäre frühestens im Sommer 2013 gekommen….
Diese Abhängigkeit von unterschiedlichen Produktgruppen war weder nach außen noch nach innen leicht für die Beteiligten.

- Virtualisierung im Kleinkundenbereich
Als letztes Argument möchte ich die Servervirtualisierung im Kleinkundensegment zur Überlegung stellen.
SBS war in den letzten 15 Jahren notwendig, um Kleinkunden den Betrieb von Basisinfrastruktur auf einer Hardware zu ermöglichen. Heute ist Servervirtualisierung auch bei Kleinkunden längst Standard geworden – auch in Single Server Umgebungen. Weiters ist die Hardware so leistungsfähig und billig, dass es kein Problem ist auf einer Maschine sowohl einen Domäncontroller als auch einen Exchangeserver in 2 virtuellen Maschinen zu betreiben.
Was bedeutet das nun für mich/mein Business/dem Business meiner Kunden ?
- Kurzfirstig recht wenig – eher im Gegenteil.
Ich sehe hier eine massive Chance für die Partnerlandschaft, Kunden, die heute noch auf SBS 2008 oder älter laufen, zu einem Umstieg zu bewegen. Zu einem Umstieg auf SBS 2011, zu einem Umstieg auf Essentials und Office 365, zu einem Umstieg auf Win Srv 2012 und Exchange 2015. Verkaufe ich dem Kunden heute einen SBS 2011 mit SA bietet das mir die Möglichkeit ihn auf diese Plattform zu bringen oder ihn im Herbst auf Win Srv 2012 und next Year dann auf Exchange 2015 zu bringen.
- Kundenbereich 1-20 (25)
In diesem Kundenbereich habe ich sehr gutes Feedback von Partnern erhalten, die diese Kunden mit SBS Essentials (in Zukunft Windows Server Essentials) und Hosted Exchange ausgestattet haben. Die Anzahl der Projekte steigt, die Kundenzufriedenheit steigt, das Budget der Kunden für IT Dienstleistung wird lt. den Partnern interessanterweise nicht kleiner, sondern wird für andere IT-Dienstleistung ausgegeben.
- Kundenbereich 21-50 (75)
In diesem Kundenbereich stehen mir einige Möglichkeiten offen – von einer virtualisierten IT Infrastruktur mit AD und Exchange, bis hin zu einer vollen Office365 Integration.
Wird es für den Kunden teurer werden ? Ja (außer ich kaufe jetzt SBS+SA), der Exchangeserver kostet ca. EUR 1.300,00 (inkl. 5 Cals).
Ich als Partner würde hier aber einen Schritt weiter denken und mich mit Open Value und der CoreCal beschäftigen. – Damit kann ich in dieser Kundengröße nicht nur Windows Server und Exchange betreiben, sondern der Kunde bekommt in der CoreCal auch noch die SharePoint Cal, die SCCM Cal inkl. SC EndpointProtection und auch die Lync Cal. D.. das bedeutet für mich als Partner eine massive Erweiterung meines Portfolios und Geschäftes… (Und so nebenbei: Ich kann mich da an regelmäßige Beschwerden erinnern, dass der SBS viel zu billig war und man damit kein Geld verdienen kann…..)
Hätte ich mir einen SBS 2014 im August 2013 gewünscht ? Ja, sicher – weil das Leben damit einfacher wäre. Veränderungen verursachen immer Irritation, besonders wenn sie Dinge betreffen, die schon lang so waren. Veränderungen tun weh, sind anstrengend, sind unbequem. Veränderungen bieten aber immer auch Chancen und ich stehe gerne zur Verfügung, mit Euch diese Chancen zu diskutieren.
Geben wir die Kleinkunden als Zielgruppe auf ?
Aber gar nicht – das Ziel, dieser Kundengruppe ein Werkzeug in die Hand zu geben, mit denen diese ihre IT einfach und günstig betreiben können und trotzdem die volle Power unserer Backoffice Applikationen haben – ist das gleiche geblieben, der Weg ist nur ein anderer….
Christian
Christian.Decker@microsoft.com